Goethe-Institut in Russland vor dem Aus: Folgen für Deutschlernende
Wie die Deutsche Welle berichtet, schließt das Goethe-Institut bis zum 13. September 2026 alle seine Filialen in Russland.

Geiseln der Politik: Was die Schließung der Goethe-Institute für Deutschlernende bedeutet
Damit verschwindet für viele Deutschlernende vor Ort nicht nur die vertraute Bibliothek, sondern auch der direkte Weg zu einem international anerkannten Zertifikat – und das mitten in einer Phase, in der Sprachprüfungen für Einwanderung, Studium und Beruf immer wichtiger werden.
Was hinter der Entscheidung steckt
Die Schließung ist die direkte Folge einer politischen Eskalation. Nach einem vereitelten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig Anfang August hatte die Bundesregierung Moskau verantwortlich gemacht und Sanktionen angekündigt. Diese umfassen unter anderem die Schließung des Russischen Hauses in Berlin und des russischen Konsulats in Bonn sowie verschärfte Visabestimmungen für russische Staatsbürger. Als Reaktion darauf wies das russische Außenministerium das Goethe-Institut aus dem Land – betroffen sind die Standorte in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk.
Goethe-Generalsekretärin Gitte Zschoch erklärte laut DW, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten ihre Arbeit in Russland zum 13. September 2026 beenden. Sie hob hervor, dass damit der Zugang zur deutschen Sprache, zur Kultur und zu verlässlichen Informationen aus und über Deutschland für die Menschen vor Ort weiter eingeschränkt werde. Auch für Deutschlehrkräfte in Russland breche eine wichtige Quelle für Fortbildung und fachliche Unterstützung weg.
Was das konkret für Lernende bedeutet
Eine Deutschlehrerin aus der Region Moskau schilderte gegenüber DW, ihre Schule habe mehr als fünfzehn Jahre mit dem Goethe-Institut kooperiert. Die Partnerschaft sei eine der wichtigsten Säulen ihrer Arbeit gewesen: hochwertige Unterrichtsmaterialien, aktuelle Publikationen über das Leben in Deutschland, zusätzliche Kurse – und vor allem die Möglichkeit, die Schülerinnen und Schüler bis zum Goethe-Zertifikat zu begleiten.
DW hat zudem Leserinnen und Leser in Russland nach den persönlichen Folgen gefragt. Viele gaben an, sie müssten Prüfungen nun im Ausland ablegen – mit zusätzlichem Stress und deutlich höheren Kosten. Besonders hart trifft es Spätaussiedler und ihre Familien, die vor der Einreise nach Deutschland oft noch ein anerkanntes Sprachzertifikat vorlegen müssen. Auch Eltern, deren Kinder eine Deutsche Schule besuchen und in Deutschland studieren möchten, stehen jetzt vor dieser Hürde.
Was bleibt – und wie wir weiter vorgehen
Ob Prüfungen, Kurse und Bildungsprogramme in Russland in anderer Form oder über Partnerorganisationen weiterlaufen, ist laut DW noch offen. Einige Leserinnen und Leser hoffen, dass wenigstens digitale Angebote erhalten bleiben. Was wir jetzt tun können: Wer ein Goethe-Zertifikat braucht, sollte sich frühzeitig nach Alternativen umsehen – etwa Prüfungszentren in Drittländern oder mögliche Online-Formate. Wir verfolgen das Thema weiter und melden uns, sobald es verlässliche Neuigkeiten gibt.