Tarifstreit bei der Deutschen Welle: DJV verlangt sieben Prozent Gehaltsplus
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) tritt mit einer Forderung von sieben Prozent mehr Gehalt und Honorar in die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Welle ein.

Wie der Verband mitteilt, bilden die Entfristung von Verträgen und eine verbesserte Honorargarantie für freie Journalistinnen und Journalisten den zweiten Verhandlungsschwerpunkt.
Der NDR-Abschluss als Vergleichsgröße
Parallel liegt mit dem Norddeutschen Rundfunk ein abgeschlossenes Verfahren vor. Nach sieben Verhandlungsrunden und mehreren Warnstreiks haben sich ver.di, DJV und unisono auf einen neuen Tarifvertrag verständigt. Die Laufzeit beträgt 35 Monate. Faktisch ergibt sich daraus ein dreistufiger Erhöhungspfad für Festangestellte, arbeitnehmerähnliche Freie und Auszubildende:
- 1,23 Prozent rückwirkend zum 1. April 2026
- 2,5 Prozent zum 1. April 2027
- 2,0 Prozent zum 1. April 2028
Zusätzlich steigt das Urlaubsgeld für die unteren Vergütungsgruppen um 120 Euro. Auszubildende erhalten dieselbe Erhöhung. Eine Öffnungsklausel erlaubt, 0,5 Prozent der April-2027-Erhöhung zurückzunehmen, falls die finanziellen Rahmenbedingungen sich unerwartet verschlechtern. Von der April-2028-Erhöhung sind 0,25 Prozent an eine Einigung zur Personalgestellung geknüpft.
Stephanie Steffen, Beschäftigte beim NDR und Vorsitzende des ver.di-Senderverbands im NDR, ordnet den Abschluss als Kompromiss ein. Die Erhöhung des Urlaubsgeldes sei eine soziale Komponente, die den unteren Vergütungsgruppen zugutekomme.
Was die Diskrepanz strukturell bedeutet
Die Eingangsforderung von sieben Prozent bei der Deutschen Welle liegt quantitativ deutlich über dem NDR-Rahmen. Für den Schreibenden im Lektorats- und Textumfeld ist die Folgerung eindeutig: Öffentlich-rechtliche Honorarverhandlungen bilden kein einheitliches Regelwerk. Die Konditionen werden pro Sender mit unterschiedlicher Präzision ausgehandelt — zwischen Eingangsforderung und Abschluss klafft regelmäßig eine Spanne.
Wer Honorare kalkuliert oder Angebote erstellt, kann den Stand der laufenden DW-Runde nicht als Berechnungsgrundlage verwenden. Maßgeblich bleiben die aktuell geltenden Vereinbarungen mit dem jeweiligen Haus.
Björn Siebke, ver.di-Gewerkschaftssekretär und Co-Verhandlungsführer, kündigt für den NDR an, im nächsten Jahr zügige Verhandlungen über die Bezahlung junger Kolleg*innen nach Abschluss der Ausbildung aufzunehmen. Die Strukturfrage einer Übergangsregelung zwischen Ausbildung und erster Festanstellung ist in der DW-Forderung bislang nicht als eigenständiger Verhandlungspunkt benannt. Sie bleibt zu beobachten.
Prüfpunkte vor der nächsten Honorarverhandlung
Vor jeder neuen Verhandlung empfiehlt sich die Prüfung folgender vier Punkte:
- Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist beim aktuellen Auftraggeber
- Vorhandensein einer schriftlichen Honorargarantie
- Anzahl der Vertragsverlängerungen in den letzten drei Jahren (Kettenvertragsrisiko)
- Übergangsregelung zwischen Ausbildung und erster Festanstellung
Bis zum Abschluss der DW-Runde bleibt jede Honorarplanung, die die Sieben-Prozent-Forderung bereits einpreist, Spekulation. Bestandswerte bilden die belastbarere Grundlage.