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Berufseinstieg für Geflüchtete: Warum Deutschkenntnisse in Berlin den Unterschied machen

Ein Interview der Berliner Morgenpost mit Irma Albrant, Job-Coachin am Institut für Berufsbildung (IBB) in Berlin, gibt darauf eine erstaunlich ehrliche Antwort.

Berufseinstieg für Geflüchtete: Warum Deutschkenntnisse in Berlin den Unterschied machen

Wie gut gelingt geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern der Einstieg in den Berliner Arbeitsmarkt – und was hat das eigentlich mit deinem Deutschkurs zu tun? Ein Interview der Berliner Morgenpost mit Irma Albrant, Job-Coachin am Institut für Berufsbildung (IBB) in Berlin, gibt darauf eine erstaunlich ehrliche Antwort. Für alle, die hier Deutsch lernen und irgendwann hier arbeiten wollen, lohnt sich der Blick in dieses Gespräch besonders.

Wer in Berlin ankommt – und wer arbeitet

Irma Albrant ist in Russland aufgewachsen, spricht Russisch als Muttersprache und arbeitet seit Jahren mit Geflüchteten, Behörden und Arbeitgebern. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost schildert sie die Lage nüchtern: Ukrainerinnen und Ukrainer haben in Deutschland einen Sonderstatus, müssen kein Asylverfahren durchlaufen, ihr vorübergehender Schutz wurde bis März 2027 verlängert. Nach der Registrierung in der Reinickendorfer Ankunftseinrichtung und der Beantragung einer Aufenthaltserlaubnis dürfen sie sofort uneingeschränkt arbeiten.

Die Zahlen, die Albrant nennt, stammen aus dem Ausländerzentralregister und der Bundesagentur für Arbeit: Im Februar 2026 lebten 61.150 Ukrainerinnen und Ukrainer im arbeitsfähigen Alter in Berlin. 27.432 davon waren bei den Jobcentern als arbeitsfähig gemeldet, 11.670 davon als arbeitslos. Insgesamt 22.697 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeiteten nach Angaben der Bundesagentur im Februar 2026 in Berlin – 20.225 in sozialversicherungspflichtigen Jobs, 2.472 in geringfügiger Beschäftigung.

Die Sprache bleibt die größte Hürde

Albrant macht in dem Interview sehr deutlich, dass die Sprache das entscheidende Nadelöhr ist. Viele Geflüchtete arbeiten nach ihrer Ankunft in Berufen mit niedrigen Einstiegshürden und entsprechend niedriger Bezahlung – in der Produktion, in Hotels, in der Gastronomie, im Housekeeping. Wer nach Berlin kam, waren nach Albrants Beobachtung fast ausschließlich Frauen mit Kindern ohne Zugang zu Kinderbetreuung sowie ältere Rentnerinnen und Rentner. Diese Menschen besuchen häufig Sprachkurse.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel, was möglich wird, wenn die Sprache einmal sitzt: Frauen, die in der Ukraine bereits als Buchhalterinnen gearbeitet haben, konnten mit ihren fachlichen Vorkenntnissen laut Albrant relativ schnell Deutsch lernen und fanden wieder fachlich passende Stellen. Auch im IT-Bereich sieht sie Chancen, sofern die deutsche Sprache beherrscht wird.

Albrant weist allerdings auf einen Punkt hin, der uns als Deutschlernende unmittelbar betrifft: Selbst mit einem anerkannten Sprachzertifikat sind die praktischen Sprachkenntnisse im Arbeitsalltag häufig schwächer als auf dem Papier. Ohne diese Sprachfähigkeiten bleiben vor allem schlechter bezahlte Jobs erreichbar. In ländlichen Regionen sind Integrations- und Sprachkurse laut Albrant deutlich seltener, Wartezeiten können dort bis zu zwei Jahre betragen – in Großstädten wie Berlin sieht die Lage besser aus.

Was wir daraus für unseren Lernweg mitnehmen

Wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, zeigt das Interview vor allem eins: Ein Zertifikat auf dem Papier ist nicht das Ziel, sondern allenfalls ein Zwischenstopp. Wer wirklich in seinem Beruf arbeiten möchte – ob als Buchhalterin, in der IT oder in einem ganz neuen Feld – braucht die Sprache dort, wo sie gebraucht wird: im Gespräch mit Kolleginnen, am Telefon, im Meeting, beim Lesen von E-Mails.

Das ist kein Grund, den Mut zu verlieren, im Gegenteil. Es lohnt sich, den eigenen Deutschkurs als das zu nutzen, was er sein kann: ein sicheres Fundament. Wer bereit ist, nach dem Kursende weiter zu üben – mit Lernpartnern, im Ehrenamt, mit Kolleginnen aus Deutschland – baut genau die praktische Sicherheit auf, die im Arbeitsalltag zählt.

Und falls du selbst vor Jahren nach Deutschland gekommen bist und heute hier arbeitest: Albrants Einschätzung ist dann vielleicht auch eine stille Erinnerung daran, was dein eigener Lernweg dich gekostet hat – und warum er zählt.