Presseverteiler im B2B: Wo PR-Budgets verloren gehen
Zwischen 30 und 40 Prozent der Marketing- und Kommunikationsbudgets im deutschen B2B-Mittelstand fließen laut Branchenanalysen in Maßnahmen ohne nachweisbaren Beitrag zu Pipeline oder Umsatz. Presseverteiler gehören nicht automatisch zu dieser Gruppe.

Sie werden jedoch häufig so eingesetzt, dass genau dieses Ergebnis entsteht: Die Pressemitteilung wird technisch ausgespielt, aber journalistisch nicht relevant.
Der zentrale Fehler liegt in einer falschen Gleichung. Ein gekaufter Presseverteiler erzeugt Reichweite auf angeschlossenen Plattformen. Er garantiert weder einen redaktionellen Beitrag noch konkrete Google-Rankings oder direkte Kundenanfragen. Für die Bewertung von Kosten und Nutzen einer Pressemitteilung muss deshalb zwischen Distribution, Sichtbarkeit, Berichterstattung und Vertriebswirkung unterschieden werden.
Die Illusion der Reichweite: Technische Distribution ist keine Berichterstattung
Ein Presseverteiler erfüllt zunächst eine technische Funktion. Er übermittelt eine Pressemitteilung an mehrere Portale, Plattformen oder registrierte Empfänger. Je nach Anbieter kann der Text zusätzlich auf angeschlossenen Presseportalen veröffentlicht werden. Damit ist die Distribution abgeschlossen.
Die journalistische Verarbeitung beginnt erst danach. Eine Fachredaktion entscheidet unabhängig, ob der Inhalt für ihre Zielgruppe relevant ist. Dafür zählen unter anderem:
- der konkrete Nachrichtenwert,
- die Aktualität des Themas,
- die Passung zum Ressort,
- die Bedeutung für den jeweiligen Markt,
- die Qualität der Daten und Quellen,
- die Verfügbarkeit eines geeigneten Ansprechpartners.
Diese Faktoren lassen sich nicht durch den Kauf eines Verteilers ersetzen. Ein automatisierter Versand an mehrere Hundert Kontakte bleibt eine automatisierte Übermittlung, wenn keine redaktionelle Auswahl und keine individuelle Ansprache hinzukommen.
Der Begriff „Reichweite“ ist deshalb im PR-Kontext präzise zu definieren. Eine Plattform kann eine Pressemitteilung technisch ausliefern. Daraus folgt nicht, dass die Zielgruppe den Text tatsächlich liest. Auch die Veröffentlichung auf einem Portal bedeutet nicht, dass ein Journalist den Inhalt übernimmt oder dass ein potenzieller Kunde daraus eine Anfrage entwickelt.
Ein Presseverteiler verteilt einen Text. Er erzeugt nicht automatisch dessen Relevanz.
Im B2B-Umfeld ist diese Unterscheidung besonders relevant. Fachmedien arbeiten in klar abgegrenzten Themenfeldern. Ein Redakteur für industrielle Automatisierung benötigt andere Informationen als ein Ressort für IT-Sicherheit, Logistik oder Unternehmensfinanzierung. Eine allgemeine Aussendung an unpassende Ressorts erhöht die Zahl der Empfänger, nicht aber die Wahrscheinlichkeit einer Berichterstattung.
Was ein Verteiler faktisch leisten kann
Der Nutzen eines Presseverteilers liegt nicht bei null. Er kann sinnvoll sein, wenn die technische Veröffentlichung selbst ein definiertes Ziel erfüllt. Dazu gehören etwa:
1. Dokumentation einer Unternehmensmeldung: Eine Pressemitteilung ist öffentlich auffindbar und bildet einen überprüfbaren Kommunikationsstand ab.
2. Grundversorgung mit Content: Ein Unternehmen kann neue Produkte, Personalien oder Veranstaltungen auf geeigneten Portalen veröffentlichen.
3. Unterstützung der Auffindbarkeit: Eine Veröffentlichung kann zusätzliche Fundstellen im Netz schaffen. Ein bestimmtes Ranking lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
4. Zeitersparnis bei standardisierten Aussendungen: Für Meldungen mit klarer Struktur kann ein Portalversand organisatorisch effizient sein.
5. Ergänzung einer bestehenden PR-Strategie: Ein Verteiler kann die individuelle Medienarbeit flankieren, aber nicht ersetzen.
Der Verteiler ist damit ein Instrument der Distribution. Er ist kein Ersatz für Themenentwicklung, Medienbeziehungen oder eine belastbare Content-Strategie.
Kostenfalle Presseverteiler: Vom Portalpaket bis zur PR-Software
Die Frage „Pressemitteilung Verteiler: Kosten und Nutzen“ lässt sich nicht mit einem einzigen Preis beantworten. Zu unterschiedlich sind die Leistungen. Ein Portalpaket, ein Fachverteiler und eine professionelle PR-Software gehören faktisch zu verschiedenen Produktklassen.
Automatisierte Portalpakete liegen im zwei- bis niedrigen dreistelligen Eurobereich. Bei Buchungen von Online- und Fachverteilern auf PR-Portalen wie openPR bewegen sich die genannten Preise typischerweise zwischen 47,00 Euro und 347,00 Euro zuzüglich Umsatzsteuer pro Pressemitteilung. Der Preis steigt meist mit der Zahl der gebuchten Optionen, der gewünschten Platzierung oder der Einbindung eines Fachverteilers.
Professionelle PR-Software mit Kontaktdatenbanken folgt einer anderen Kostenlogik. Der Einstieg liegt bei Lösungen dieser Art bei etwa 300 bis 400 Euro pro Monat. Bezahlt wird dann nicht nur die einzelne Aussendung, sondern der laufende Zugriff auf Funktionen wie Kontaktverwaltung, Recherche, Versand und Auswertung.
| Instrument | Typische Kostenstruktur | Faktische Leistung | Nicht automatisch enthalten |
|---|---|---|---|
| Automatisiertes Presseportal | Zwei- bis niedriger dreistelliger Eurobereich pro Aussendung | Technische Distribution und Portalveröffentlichung | Redaktionelle Berichterstattung, Leads und Rankings |
| Online- oder Fachverteiler | Etwa 47,00 bis 347,00 Euro zuzüglich Umsatzsteuer pro Pressemitteilung | Versand an ausgewählte oder paketierte Empfängergruppen | Individuelle Themenplatzierung und persönliche Redaktionskontakte |
| PR-Software mit Datenbank | Etwa 300 bis 400 Euro pro Monat zum Einstieg | Kontaktverwaltung, Versand, Recherche und teilweise Auswertung | Nachrichtenwert, Redaktionsinteresse und Vertriebsabschluss |
| Individuelle Medienarbeit | Projekt- oder Agenturhonorar | Themenentwicklung, Auswahl der Kontakte und persönliche Ansprache | Eine garantierte Veröffentlichung in einem bestimmten Medium |
Die Tabelle zeigt den entscheidenden Punkt: Niedrige Kosten bedeuten nicht automatisch einen schlechten Einsatz. Hohe Kosten bedeuten umgekehrt nicht automatisch eine höhere journalistische Wirkung. Entscheidend ist die Übereinstimmung zwischen Ziel, Instrument und Inhalt.
Ein Presseportal kann für eine formal korrekte Unternehmensmeldung ausreichen. Für eine komplexe B2B-Positionierung ist es als alleinige Maßnahme meist zu grob. Eine PR-Agentur kann Kontakte und redaktionelle Abläufe strukturieren. Sie kann den Nachrichtenwert eines Themas aber nicht aus dem Nichts erzeugen. Auch eine teure Datenbank liefert keine Berichterstattung, wenn die Meldung für das angesprochene Ressort keine Relevanz besitzt.
Die Kosten pro Aussendung sind nicht die Gesamtkosten
In der internen Kalkulation wird häufig nur der Einkaufspreis des Verteilers berücksichtigt. Das verzerrt die Bewertung. Zu den tatsächlichen Kosten einer Pressemitteilung gehören zusätzlich:
- die Entwicklung des Themas,
- die Abstimmung mit Fachabteilungen und Geschäftsführung,
- die redaktionelle Erstellung,
- die juristische und faktische Prüfung,
- die Auswahl der Kontakte,
- die Nachbearbeitung von Rückfragen,
- die Auswertung von Veröffentlichungen und Reaktionen.
Eine günstige Aussendung kann dadurch teuer werden, dass sie interne Ressourcen bindet und keine verwertbare Resonanz erzeugt. Umgekehrt kann eine gezielte Fachansprache mit kleiner Empfängerzahl wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn daraus ein relevanter Kontakt, ein Interview oder ein belastbarer Medienbeitrag entsteht.
Die zentrale Kennzahl ist daher nicht der Preis pro Versand. Sie lautet: Welche überprüfbare Wirkung soll mit dieser Aussendung erzielt werden, und lässt sich diese Wirkung dem eingesetzten Instrument zuordnen?
Streuverluste im B2B-Mittelstand: Wenn Budgets wirkungslos verpuffen
B2B-Kommunikation ist selten auf maximale Sichtbarkeit angewiesen. Sie benötigt Sichtbarkeit bei den richtigen Personen. Ein Hersteller von Spezialkomponenten muss nicht jede Redaktion erreichen. Er muss in den relevanten Fachmedien, bei potenziellen Geschäftspartnern und innerhalb der fachlichen Entscheidungsstrukturen präsent sein.
Ein breit angelegter PR-Verteiler missachtet diese Struktur häufig. Er behandelt Empfängergruppen als homogene Masse. Faktisch unterscheiden sich Redaktionen jedoch nach Branche, Unternehmensgröße, Region, Technologie, Leserrolle und Veröffentlichungslogik.
Die typischen Fehler lassen sich in fünf Gruppen ordnen:
1. Unpräzise Zielgruppenauswahl
Die Pressemitteilung wird an allgemeine Verteiler verschickt, obwohl der Inhalt nur für ein enges Fachressort relevant ist. Die Empfängerzahl steigt. Die fachliche Trefferquote sinkt.
2. Verwechslung von Unternehmensinteresse und Nachrichtenwert
Die Einführung eines internen Tools oder eine allgemeine Wachstumsmitteilung kann für das Unternehmen bedeutsam sein. Für eine Redaktion entsteht daraus noch kein berichtenswertes Thema.
3. Überladung mit Werbesprache
Superlative, unbelegte Marktführerschaft und austauschbare Leistungsversprechen erschweren die redaktionelle Nutzung. Eine Pressemitteilung ist kein Produktprospekt.
4. Fehlende Belege
Fachredaktionen benötigen konkrete Informationen. Dazu gehören nachvollziehbare Zahlen, technische Einordnungen, belastbare Anwendungsfälle oder eine erkennbare Auswirkung auf den Markt. Behauptungen ohne Substanz erhöhen den Prüfaufwand.
5. Kein Anschlussprozess
Nach dem Versand wird weder geprüft, welche Redaktionen geöffnet oder reagiert haben, noch werden passende Kontakte individuell weitergeführt. Damit endet die Maßnahme dort, wo Medienarbeit beginnen könnte.
Diese Fehler erzeugen Streuverluste. Streuverlust bezeichnet den Anteil einer Kommunikationsmaßnahme, der Empfänger erreicht, für die der Inhalt keine verwertbare Relevanz besitzt. Im B2B ist er besonders teuer, weil fachliche Themen oft aufwendig produziert werden und die Zahl potenziell relevanter Medien begrenzt ist.
Ein beispielhafter Budgetverlust von 6.000 bis 10.000 Euro pro Monat kann entstehen, wenn ein Unternehmen mehrere unproduktive Kommunikationsmaßnahmen parallel finanziert. Das ist keine allgemeine Durchschnittszahl und keine automatische Folge jedes Presseverteilers. Es beschreibt eine Größenordnung, in der sich ineffiziente Einzelentscheidungen zu einem strukturellen Problem summieren können.
Warum der Mittelstand besonders anfällig ist
In vielen mittelständischen Unternehmen liegen PR, Marketing, Vertrieb und Fachkommunikation organisatorisch getrennt. Die Pressemitteilung entsteht dann in einer Abteilung, während die Vertriebswirkung in einer anderen gemessen werden soll. Zwischen beiden Bereichen fehlt ein gemeinsames Regelwerk.
Der Kommunikationsverantwortliche bewertet die Zahl der Aussendungen oder Veröffentlichungen. Der Vertrieb benötigt qualifizierte Gespräche. Die Geschäftsführung erwartet Marktpräsenz. Ohne gemeinsame Definitionen werden diese Ziele vermischt.
Eine sachgerechte Bewertung unterscheidet mindestens vier Ebenen:
- Distribution: Wurde der Text technisch ausgeliefert?
- Publikation: Wurde er auf einem Portal oder in einem Medium veröffentlicht?
- Rezeption: Wurde der Inhalt von relevanten Zielgruppen wahrgenommen oder aufgegriffen?
- Geschäftswirkung: Entstand daraus ein qualifizierter Kontakt, ein Gespräch oder ein Beitrag zur Pipeline?
Jede Ebene besitzt andere Messgrößen. Die Zahl der versendeten Empfänger sagt nichts über die Geschäftsrelevanz aus. Die Zahl der Portalveröffentlichungen sagt nichts über die Qualität der Kontakte aus. Eine gestiegene Besucherzahl auf einer Website ist nicht automatisch ein Vertriebsbeitrag.
Im B2B ist eine kleinere Zahl passender Kontakte wertvoller als eine große Zahl fachlich blinder Empfänger.
Relevanz schlägt Gießkanne: Der direkte Draht zu Fachredaktionen
Eine wirksame Pressemitteilung beginnt nicht mit dem Verteiler. Sie beginnt mit der Frage, welche Veränderung für eine definierte Zielgruppe relevant ist. Das kann eine technische Entwicklung sein, eine regulatorische Anpassung, ein nachweisbarer Markttrend oder ein konkretes Problem, für das ein Unternehmen eine belastbare Lösung entwickelt hat.
Die Struktur des Themas sollte vor dem Versand geklärt werden:
1. Die Nachricht in einem Satz bestimmen
Der erste Satz muss die tatsächliche Nachricht enthalten. Nicht die Unternehmensgeschichte. Nicht die interne Motivation. Nicht die vollständige Produktbeschreibung.
Geeignet sind Formulierungen, die eine Veränderung, eine Auswirkung oder einen nachprüfbaren Zusammenhang benennen. Die Meldung sollte auch dann verständlich bleiben, wenn der Firmenname entfernt wird. Das zwingt den Schreibenden zu Präzision.
2. Das relevante Ressort definieren
Ein Thema gehört nicht automatisch in den allgemeinen Wirtschaftsverteiler. Für die Auswahl sind konkrete Merkmale erforderlich:
- Branche und Teilbranche,
- technische oder wirtschaftliche Perspektive,
- regionale Reichweite,
- Funktion der Leser,
- erwarteter Informationsbedarf,
- bisherige Berichterstattung des Mediums.
Ein Fachmedium für Maschinenbau bewertet dieselbe Meldung anders als ein allgemeines Start-up-Portal. Die Zielgruppe bestimmt die Einordnung.
3. Den Nachrichtenwert belegen
Nachrichtenwert ist keine sprachliche Eigenschaft. Er entsteht durch die Bedeutung eines Ereignisses für andere. Eine Pressemitteilung sollte deshalb möglichst konkrete Belege liefern:
- messbare Veränderung im Prozess,
- nachvollziehbare Markt- oder Kundenauswirkung,
- technische Spezifikation mit Einordnung,
- Zeitpunkt und Umfang einer Einführung,
- relevante Kooperation oder Investition,
- Ergebnis eines Projekts mit übertragbarer Bedeutung.
Nicht jede Zahl gehört in den Text. Zahlen ohne Kontext erhöhen die Informationsmenge, aber nicht zwingend die Aussagekraft. Präzision bedeutet auch, irrelevante Details wegzulassen.
4. Den Verteiler begrenzen
Die Empfängerliste sollte aus relevanten Kontakten bestehen. Ein kleiner Fachverteiler ist kein Mangel, wenn die Auswahl begründet ist. Unpassende Kontakte verursachen nicht nur Streuverluste. Sie können dazu führen, dass künftige Aussendungen des Unternehmens weniger Aufmerksamkeit erhalten.
Das gilt besonders bei wiederholten Meldungen mit identischer Struktur. Ein Unternehmen, das jeden internen Anlass als Pressemitteilung behandelt, entwertet seine eigene Kommunikation. Der Verteiler wird dann nicht wegen eines einzelnen schlechten Textes ineffizient, sondern wegen eines fehlenden redaktionellen Auswahlprozesses.
5. Persönliche Ansprache als zweite Ebene nutzen
Der Verteiler kann die Grunddistribution übernehmen. Für die wichtigsten Kontakte braucht es jedoch eine individuelle Einordnung. Ein Redakteur muss erkennen, warum das Thema für sein Ressort relevant ist. Dafür genügt keine automatisierte Betreffzeile.
Eine individuelle Ansprache sollte knapp bleiben. Sie benennt den fachlichen Bezug und verweist auf die konkrete Nachricht. Sie ersetzt nicht die Pressemitteilung, sondern schafft den Kontext für ihre Prüfung.
Eine PR-Agentur kann diesen Prozess unterstützen. Die Kosten einer PR-Agentur sind dann sachgerecht zu bewerten, wenn sie nicht nur den Versand organisiert, sondern Recherche, Themenpositionierung, Kontaktpflege und Nachbereitung übernimmt. Eine Agentur, die lediglich denselben Massenversand teurer ausführt, verändert die Struktur des Problems nicht.
Messbarkeit und Pipeline: Was PR tatsächlich zum Umsatz beitragen kann
PR wirkt im B2B selten linear. Eine Veröffentlichung führt nicht zwingend unmittelbar zu einem Auftrag. Zwischen Medienkontakt und Vertragsabschluss liegen häufig mehrere Schritte: fachliche Wahrnehmung, Markenbekanntheit, Websitebesuch, weiterer Informationsbedarf, Gespräch und Vertriebseignung.
Das erschwert die Messung. Es rechtfertigt jedoch keine pauschale Erfolgsmeldung nach dem Muster „veröffentlicht und damit erfolgreich“. Ein belastbares Messkonzept ordnet jeder Maßnahme ein Ziel zu.
Für Distribution und Sichtbarkeit
Hier können organisatorische und technische Größen erfasst werden:
- Wurde die Mitteilung vollständig ausgeliefert?
- Auf welchen relevanten Plattformen erschien sie?
- Welche fachlich passenden Medien haben den Inhalt aufgegriffen?
- Welche qualifizierten Besuche kamen über die Veröffentlichung?
- Wurde der Inhalt in Suchsystemen oder auf der Unternehmensseite auffindbar?
Diese Daten beschreiben Sichtbarkeit. Sie belegen noch keinen Geschäftswert.
Für Rezeption und Medienarbeit
Auf dieser Ebene wird die Qualität der Kontakte sichtbar:
- Welche Redaktionen reagierten?
- Gab es Rückfragen?
- Entstand ein Interview, ein Fachbeitrag oder eine weiterführende Anfrage?
- Wurde das Thema in einem passenden Medium eingeordnet?
- Konnte ein dauerhafter Redaktionskontakt aufgebaut werden?
Die Zahl der Reaktionen ist weniger relevant als ihre Passung. Eine einzige Anfrage eines zentralen Fachmediums kann für ein spezialisiertes B2B-Unternehmen mehr bedeuten als zahlreiche unqualifizierte Klicks.
Für Vertrieb und Pipeline
Die Verbindung zur Pipeline benötigt eine saubere Übergabe. Dazu gehören definierte Herkunftsangaben, Kampagnenparameter, Landingpages oder die systematische Erfassung eingehender Kontakte. Entscheidend ist, ob ein Kontakt tatsächlich aus der PR-Maßnahme stammt und welche Qualität er besitzt.
Die exakten Konversionsraten lassen sich nicht verallgemeinern. Sie hängen vom Produkt, vom Zielmarkt, vom Kaufzyklus und von der Rolle der angesprochenen Personen ab. Ein Investitionsgut mit langer Entscheidungsphase wird anders bewertet als eine standardisierte B2B-Software. Deshalb sind pauschale Versprechen zur Umsatzwirkung von Presseverteilern nicht belastbar.
Das Messmodell sollte stattdessen mit Wenn-Dann-Beziehungen arbeiten:
- Wenn das Ziel die technische Veröffentlichung einer Unternehmensmeldung ist, dann kann ein Presseportal ausreichend sein.
- Wenn eine Fachredaktion berichten soll, dann braucht es Themenrelevanz, passende Kontakte und individuelle Ansprache.
- Wenn qualifizierte B2B-Kontakte entstehen sollen, dann muss die PR-Maßnahme mit Landingpage, Tracking und Vertrieb abgestimmt sein.
- Wenn eine langfristige Markenpositionierung geplant ist, dann reicht die Bewertung einzelner Aussendungen nicht aus.
- Wenn ein Verteiler wiederholt keine passenden Reaktionen erzeugt, dann muss zuerst die Themen- und Kontaktstruktur geprüft werden, nicht nur der Anbieter gewechselt werden.
Ein praktikables Regelwerk für die Budgetentscheidung
Die Entscheidung für oder gegen einen Presseverteiler sollte nicht über den niedrigsten Preis erfolgen. Ein kleines Regelwerk schafft mehr Präzision.
Vor der Buchung sind fünf Punkte zu dokumentieren:
1. Kommunikationsziel: Soll die Meldung auffindbar sein, Fachmedien erreichen oder Vertriebsgespräche unterstützen?
2. Nachricht: Welche konkrete Information rechtfertigt die Aussendung?
3. Zielgruppe: Welche Ressorts, Branchen und Funktionen sind relevant?
4. Instrument: Reicht ein Portalversand, oder ist individuelle Medienarbeit erforderlich?
5. Messung: Welche Reaktion gilt als Erfolg, und wie wird sie erfasst?
Fehlt einer dieser Punkte, entsteht eine strukturelle Unschärfe. Besonders häufig fehlt das Ziel. Dann wird die Distribution selbst zum scheinbaren Erfolgskriterium. Die Zahl der Empfänger und Veröffentlichungen ersetzt die Frage nach dem Beitrag zur Unternehmenskommunikation.
Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Eine Pressemitteilung sollte veröffentlicht werden, wenn Ansprechpartner verfügbar sind und die Organisation auf Rückfragen reagieren kann. Ein Versand ohne zuständige Kontaktperson verlängert die Reaktionszeit und senkt die praktische Nutzbarkeit des Materials.
Der Text selbst benötigt eine klare journalistische Struktur:
- Überschrift mit der Nachricht, nicht mit dem Unternehmensclaim,
- Vorspann mit der wichtigsten Information,
- sachliche Einordnung des Problems oder Marktkontexts,
- konkrete Unternehmensleistung,
- überprüfbare Details,
- Kontakt- und Hintergrundinformationen.
Wer eine Pressemitteilung streut, sollte außerdem zwischen Pressemitteilung, Fachartikel und Unternehmensmeldung unterscheiden. Ein PR-Text darf die Position des Unternehmens abbilden. Er muss diese Position aber sprachlich von einer unabhängigen redaktionellen Bewertung trennen. Diese Unterscheidung erhöht die Glaubwürdigkeit und erleichtert die Weiterverarbeitung.
Die richtige Rolle des Presseverteilers im B2B
Ein Presseverteiler ist weder grundsätzlich unwirksam noch ein universelles PR-Instrument. Sein Nutzen hängt von der Aufgabe ab, die ihm zugewiesen wird.
Für eine standardisierte Veröffentlichung auf Portalen kann der Einsatz sinnvoll sein. Die Kosten bleiben überschaubar, der Versand ist planbar und die Meldung wird technisch zugänglich. Wer dagegen redaktionelle Berichterstattung in relevanten Fachmedien erwartet, benötigt ein anderes Vorgehen. Dort entscheidet nicht die Buchung, sondern die Relevanz des Themas und die Qualität der Beziehung.
Die Budgetlogik ist damit eindeutig:
- Ein Verteiler bezahlt die Übermittlung.
- Ein Fachkontakt ermöglicht die Prüfung.
- Ein relevanter Inhalt erhöht die Chance auf Berichterstattung.
- Eine abgestimmte Messung zeigt den Beitrag zur Kommunikation.
- Ein integrierter Prozess verbindet PR und Pipeline.
Das Ergebnis ist keine Garantie. PR arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und Beziehungen. Gerade deshalb muss die Struktur stimmen. Je genauer Thema, Zielgruppe, Medium und Messgröße aufeinander abgestimmt sind, desto geringer der Streuverlust.
Presseportal-Kosten können sinnvoll sein, wenn sie eine klar definierte Funktion erfüllen. Sie werden zur Budgetverschwendung, wenn die technische Distribution als Ersatz für journalistische Relevanz behandelt wird. Der sachgerechte Einsatz beginnt daher nicht beim Anbieter und nicht beim Paketpreis. Er beginnt bei der Nachricht, ihrer Zielgruppe und der Frage, welche Wirkung faktisch nachweisbar sein soll.