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Kundenmagazin: Die Checkliste für eine fundierte Konzeption

Ein Kundenmagazin ist kein Werbeflyer mit mehr Seiten. Es arbeitet mit journalistischen Formen, mit Nutzwert und mit einer eigentümlichen Geduld: Die Marke muss nicht auf jeder Seite ihren eigenen Namen rufen.

Aktualisiert02. September 2026
Lesezeit13 Min. Lesezeit
Kundenmagazin: Die Checkliste für eine fundierte Konzeption

Sie darf zunächst zeigen, dass sie etwas zu sagen hat.

Genau dort beginnt die Vorbereitung für ein tragfähiges Kundenmagazin-Konzept. Nicht beim Titelbild. Nicht bei der Frage, ob das Papier matt oder glänzend sein soll. Sondern bei Zielgruppe, Zweck, Themenmix, Budget und Produktionsablauf. Wer diese Reihenfolge überspringt, produziert später vor allem eines: Korrekturschleifen.

Ein gutes Kundenmagazin verkauft nicht auf jeder Seite. Es schafft einen Grund, die nächste Ausgabe ebenfalls aufzuschlagen.

1. Das Fundament: Für wen erscheint das Magazin – und warum?

Die erste Frage klingt unspektakulär und wird trotzdem erstaunlich häufig umgangen: Wer soll das Kundenmagazin tatsächlich lesen?

„Unsere Kunden“ ist keine Zielgruppe. Das ist ein Sammelbegriff, ungefähr so präzise wie „Menschen mit Interesse an Wirtschaft“. Ein Magazin für bestehende B2B-Kunden funktioniert unter anderen Bedingungen als eine Publikation für private Endverbraucher. Ein Heft für technische Einkäufer braucht andere Textsorten, andere Beispiele und eine andere Bildsprache als ein Magazin, das Familien, Reisende oder kulturinteressierte Stadtbewohner erreichen soll.

Bei der Zielgruppenanalyse für Kundenmagazine geht es daher nicht nur um Alter, Branche oder Wohnort. Entscheidend ist die Beziehung zum Unternehmen:

  • Handelt es sich um Neukunden, Bestandskunden, Partner, Mitarbeitende oder mehrere Gruppen zugleich?
  • Wie viel Vorwissen bringen die Leserinnen und Leser mit?
  • Lesen sie das Magazin aus beruflichem Interesse, aus Servicegründen oder aus Neugier auf die Branche?
  • Erscheint die Publikation als gedrucktes Heft, als E-Magazin oder in einer Verbindung aus beidem?
  • Wird sie persönlich verschickt, am Verkaufsort ausgelegt, bei Veranstaltungen verteilt oder digital über die eigene Datenbasis versendet?

Die letzte Frage ist keineswegs Nebensache. Die Datenbasis für den Versand bestimmt mit, ob das Magazin als persönliche Kundenkommunikation, als öffentlich zugängliches Medium oder als Akquiseinstrument funktioniert. Ein Heft, das an eine klar definierte Gruppe verschickt wird, kann anders erzählen als ein Magazin, das anonym über eine Website heruntergeladen wird.

Kommunikationsziele sauber trennen

Ein Kundenmagazin kann mehrere Ziele unterstützen. Es sollte aber nicht so tun, als seien diese Ziele identisch.

Corporate Publishing zielt vor allem auf Imageaufbau und langfristige Bindung. Klassisches Content-Marketing richtet sich häufiger auf unmittelbare Leads und Conversions. Beides kann sich berühren. Es ist aber nicht dasselbe. Ein ausführliches Porträt über eine Produktionsstätte kann Vertrauen schaffen, ohne am Ende ein Kontaktformular auszulösen. Ein Ratgeber zu einer konkreten Anwendung kann dagegen sehr wohl auf eine Beratung oder einen Produktbereich führen.

Vor der Themenplanung braucht die Redaktion deshalb eine Priorität. Zum Beispiel:

ZielTypische redaktionelle KonsequenzMögliche Erfolgssignale
KundenbindungHintergründe, Reportagen, langfristige Entwicklungen, Einblicke in Menschen und Prozessewiederkehrende Leser, Rückmeldungen, längere Verweildauer
Markenprofilklare Haltung, Expertise, glaubwürdige Unternehmensgeschichtenqualitative Resonanz, Erwähnungen, Weiterempfehlungen
Kundenserviceerklärende Beiträge, Anwendungswissen, Antworten auf häufige Fragenweniger Rückfragen, Nutzung weiterführender Angebote
Neukundengewinnungverständliche Brancheninhalte, Fallbeispiele, digitale AnschlussangeboteBesuche über QR-Codes, Anfragen, Downloads
ArbeitgebermarkeMitarbeiterporträts, Arbeitswelten, Ausbildungs- und EntwicklungsthemenBewerbungen, Gespräche, interne Weitergabe

Diese Tabelle ist kein Messautomat. Ein Kundenmagazin lässt sich nicht auf eine einzige Zahl reduzieren. Sie verhindert jedoch, dass jede Abteilung später eine andere Zeitschrift in demselben Heft erkennt.

B2B und B2C verlangen verschiedene Genauigkeiten

Im B2B-Umfeld liegen die Leser oft näher an den Produkten und den Geschäftsprozessen. Das bedeutet nicht, dass sie technische Fachbegriffe ohne Erklärung bevorzugen. Im Gegenteil: Ein Kundenmagazin kann gerade dann nützlich werden, wenn es komplexe Abläufe präzise, aber nicht aufgeblasen beschreibt.

Im B2C-Bereich verschiebt sich die Aufmerksamkeit häufig stärker auf Alltag, Anwendung, Haltung und Erlebnis. Doch auch dort bleibt die Regel dieselbe: Die redaktionelle Perspektive muss aus der Lebenswelt der Leser kommen, nicht aus dem Organigramm des Unternehmens.

Wer diese Unterschiede ignoriert, schreibt entweder zu intern oder zu glatt. Beides ist unerquicklich.

2. Journalistische Qualität: Der Nutzwert steht nicht im Kleingedruckten

Ein Unternehmensmagazin verliert seine Leser nicht erst bei einer schlechten Nachricht. Es verliert sie schon bei der dritten Seite voller Formulierungen, die nach Vorstandspräsentation klingen.

„Innovative Lösungen“, „maßgeschneiderte Konzepte“, „nachhaltiges Wachstum“: Solche Wendungen können in einem Kundenmagazin vorkommen, wenn sie konkret belegt und in eine Geschichte eingebettet sind. Als Grundnahrung der gesamten Ausgabe taugen sie nicht. Wer ausschließlich in Werbephrasen spricht, verlangt vom Publikum, Begeisterung zu simulieren.

Die journalistische Aufgabe besteht darin, aus dem Material des Unternehmens eine lesbare Ordnung zu schaffen. Dazu gehören:

  • ein Thema mit erkennbarem Nutzen für die Zielgruppe,
  • Gesprächspartner mit eigener Perspektive,
  • konkrete Abläufe statt bloßer Behauptungen,
  • Zahlen und Beispiele, sofern sie belastbar vorliegen,
  • eine Sprache, die fachlich präzise bleibt und trotzdem nicht nach Broschüre klingt,
  • ein Anfang, der das Thema öffnet, statt die Unternehmensgeschichte zu wiederholen.

Was in ein Kundenmagazin gehört

Die Inhalte für ein Kundenmagazin sollten nicht aus einer langen Liste von Produkten entstehen. Besser ist ein Themenmix, der verschiedene Lesemotive bedient. Eine Ausgabe kann beispielsweise folgende Bausteine verbinden:

1. Das Titelthema

Es trägt die Ausgabe und sollte eine Frage beantworten, die über das Unternehmen hinausweist. Nicht „Wir stellen unsere neue Lösung vor“, sondern etwa: Welche Veränderungen prägen eine Branche, einen Arbeitsprozess oder einen konkreten Bedarf?

2. Das Firmenporträt

Ein gutes Porträt zeigt nicht nur Gründungsjahr, Standorte und Leistungsbereiche. Es macht sichtbar, wie Entscheidungen entstehen, wo Reibung auftritt und welche Menschen den Betrieb tragen. Die glänzende Oberfläche ist dabei selten die interessanteste.

3. Das Fallbeispiel

Kunden, Projekte und Anwendungen liefern Glaubwürdigkeit, wenn sie nicht als verkappte Erfolgsmeldung inszeniert werden. Leser brauchen Ausgangslage, Problem, Vorgehen und Ergebnis. Die Reihenfolge darf ruhig menschlich bleiben.

4. Der Servicebeitrag

Hier erklärt das Magazin einen Prozess, einen Begriff, eine Anwendung oder eine Veränderung im Markt. Der Text darf dem Unternehmen nützen. Er muss aber zuerst dem Leser helfen.

5. Die Menschen im Unternehmen

Mitarbeiterporträts und Gespräche bringen Stimmen in das Heft. Eine Funktion allein ergibt noch keine Figur. Interessant wird ein Porträt dort, wo Verantwortung, Fachwissen und Arbeitsalltag sichtbar werden.

6. Der Blick nach außen

Branchenentwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen und kulturelle Bezüge erweitern den Horizont. Ein Kundenmagazin, das nur um die eigene Marke kreist, wird auch bei guter Gestaltung schnell eng.

Der Unterschied zwischen Geschichte und Behauptung

Eine Behauptung lautet: Das Unternehmen arbeitet besonders kundennah.

Eine Geschichte zeigt, wie ein Serviceteam auf eine ungewöhnliche Anfrage reagiert, welche Entscheidung getroffen wurde und was dabei nicht sofort funktioniert hat. Sie braucht keine künstliche Heldensaga. Ein sauber beobachteter Vorgang besitzt oft mehr Überzeugungskraft als ein ganzer Absatz mit Superlativen.

Das gilt besonders für Firmenporträts. Leser merken, wenn ein Unternehmen seine Schwächen aus dem Text poliert hat. Nicht jede Schwierigkeit muss ausgestellt werden. Aber ein Beitrag ohne jede Spannung wirkt wie ein Raum, in dem vor der Besichtigung sämtliche Möbel entfernt wurden.

Vertrauen entsteht nicht durch makellose Sätze, sondern durch nachvollziehbare Vorgänge.

3. Themenfindung: Nicht alles, was intern wichtig ist, ist redaktionell interessant

Die Themenfindung für Unternehmenspublikationen scheitert selten an einem vollständigen Mangel an Ideen. Meist liegen zu viele Themen auf dem Tisch, und jedes trägt den Vermerk „dringend“.

Die Geschäftsführung möchte die neue Strategie erklären. Der Vertrieb braucht ein Produktporträt. Die Personalabteilung wünscht sich eine Arbeitgebergeschichte. Die Kommunikation plant ein Interview. Dazu kommen Messe, Jubiläum, Standorteröffnung und irgendein Zukunftsthema, das laut Präsentation „nicht fehlen darf“.

Eine Redaktion muss hier sortieren, nicht höflich stapeln.

Ein brauchbarer Themenmix braucht Kontraste

Die Struktur eines Firmenmagazins lebt von Wechseln. Lange Reportage neben kurzer Erklärung. Unternehmensperspektive neben Kundenstimme. Branchenanalyse neben einem konkreten Arbeitsablauf. Zahlen neben Gesichtern. Konzentration neben Luft.

Ein mögliches redaktionelles Raster sieht so aus:

  • Orientierung: Was verändert sich in der Branche oder im Alltag der Zielgruppe?
  • Einordnung: Welche Ursachen und Folgen hat diese Veränderung?
  • Anwendung: Wie zeigt sich das Thema in einem konkreten Projekt?
  • Nähe: Welche Menschen arbeiten daran?
  • Vertiefung: Wo kann der Leser weiterlernen oder handeln?
  • Markenbezug: Welche Rolle übernimmt das Unternehmen – und warum ist diese Rolle plausibel?

Dieses Raster ist kein Formular, das jede Ausgabe gleich aussehen lässt. Es ist eher ein Gegenmittel gegen das Firmenmagazin als verlängerte Pressemappe.

Themen nach Relevanz prüfen

Für jede geplante Geschichte sollte die Redaktion eine kurze, aber unbequeme Prüfung durchführen:

1. Welche Frage des Publikums beantwortet der Beitrag?

2. Was ist daran neu, konkret oder überraschend?

3. Welche Person, welcher Ort oder welcher Vorgang macht das Thema anschaulich?

4. Welche Fakten lassen sich belegen?

5. Welcher Unternehmensbezug ist organisch – und welcher wäre nur hineingeschoben?

6. In welchem Format funktioniert der Stoff am besten: Interview, Reportage, Analyse, Ratgeber oder Kurzmeldung?

7. Welche digitale Verlängerung bietet sich an, etwa ein Video, ein weiterführender Beitrag oder ein QR-Code?

Die Frage nach dem Format wird häufig zu spät gestellt. Dann steht der Text bereits, das Layout wartet, und plötzlich soll aus einem trockenen Fachbeitrag eine Doppelseite mit Spannung werden. Papier kann viel. Es kann aber keine fehlende Dramaturgie ersetzen.

Erscheinungsfrequenz und Umfang

Eine regelmäßige Ausgabe klingt professionell. Sie ist es nur, wenn Themen, Daten, interne Abläufe und Budget diese Regelmäßigkeit tragen.

Eine Erscheinungsfrequenz von jährlich bis quartalsweise kann je nach Branche sinnvoll sein. Eine allgemeingültige ideale Frequenz gibt es nicht. Ein Unternehmen mit zahlreichen Projekten, wechselnden Themen und einer belastbaren Redaktion kann häufiger publizieren. Ein Spezialanbieter mit wenigen, aber tiefen Geschichten fährt möglicherweise mit einer konzentrierten Jahresausgabe besser.

Auch der Seitenumfang sollte aus dem Inhalt entstehen. Ein kurzes Heft mit klarer Auswahl wirkt stärker als eine überdehnte Ausgabe, in der jedes Ressort sein Stück Fläche verteidigt. Umgekehrt braucht eine aufwendige Reportage Raum: für Einstieg, Stimmen, Bilder und die leisen Übergänge, die im Layout gern verschwinden.

4. Technische Planung: Format, Seiten und Falz sind redaktionelle Fragen

Die Technik kommt nicht irgendwann am Ende. Sie sitzt von Anfang an mit am Tisch, sagt aber selten etwas, bis es teuer wird.

Format, Seitenumfang und Bindungsart müssen vor Beginn der Gestaltung feststehen. Das Druckdatenblatt gibt vor, wie Anschnitt, Falzbereiche, Farbprofile und Bildauflösung behandelt werden. Werden diese Vorgaben erst berücksichtigt, nachdem Texte und Seiten gebaut sind, beginnt das bekannte Spiel: Elemente wandern, Überschriften brechen, Bilder verlieren Ausschnitte, und aus einer kleinen Korrektur wird ein Produktionsproblem.

Ein gedrucktes Kundenmagazin besitzt eine andere Leselogik als ein digitales. Im Print kann eine Bildstrecke über mehrere Seiten funktionieren, ein längerer Text darf sich über eine Doppelseite entwickeln, und die Materialität des Hefts gehört zur Wahrnehmung dazu. Das E-Magazin braucht dagegen klare Klickwege, lesbare Textgrößen, sinnvolle Verlinkungen und eine Struktur, die auch auf kleineren Bildschirmen trägt.

Die digitale Ausgabe sollte deshalb nicht einfach als PDF nachgereicht werden. Sie kann Inhalte verlängern:

  • QR-Codes führen zu ergänzenden Interviews oder Filmen.
  • Weiterführende Fachbeiträge vertiefen ein Thema, ohne das Heft zu überladen.
  • Ein Unternehmensblog kann die Diskussion nach dem Erscheinen fortsetzen.
  • Formulare oder Kontaktmöglichkeiten schaffen eine Brücke zum Vertrieb.
  • Audiobeiträge oder Bildergalerien geben Stimmen und Orte zusätzlichen Raum.

Dabei darf der QR-Code nicht als dekoratives Quadrat auf jeder zweiten Seite kleben. Er braucht einen klaren Anlass. Wer ihn scannt, sollte etwas erhalten, das im gedruckten Beitrag nicht bereits vollständig enthalten ist.

Die technische Vorentscheidung beeinflusst die Kosten

Pauschale Gesamtkosten für ein Kundenmagazin lassen sich seriös nicht nennen. Druckauflage, Seitenzahl, Papier, Farbigkeit, Bindung, Fotoproduktion, Übersetzungen, Versand und Verteilungsart verändern den Aufwand erheblich.

Die Budgetplanung sollte deshalb nicht mit einer einzelnen Endsumme beginnen, sondern mit Produktionsbausteinen:

  • redaktionelle Konzeption,
  • Themenrecherche und Interviews,
  • Textproduktion und Redaktion,
  • Fotografie oder Bildrecherche,
  • Gestaltung und Editorial Design,
  • Korrektur- und Freigabeschleifen,
  • Übersetzung und Lokalisierung,
  • Druck und Weiterverarbeitung,
  • Versand oder digitale Distribution,
  • technische Pflege der verknüpften Online-Inhalte.

Gerade die Freigabeschleifen werden gern als kostenlose Luft behandelt. Sie sind es nicht. Jede zusätzliche Runde bindet Redaktion, Gestaltung und Ansprechpartner im Unternehmen. Ein knappes Briefing am Anfang spart später nicht nur Zeit, sondern hält auch die Qualität zusammen.

5. Redaktionskonzept für die Kundenzeitschrift: Rollen, Abläufe und Freigaben

Ein Redaktionskonzept ist mehr als eine Themenliste. Es beschreibt, wie aus einer Idee ein veröffentlichter Beitrag wird. Wer recherchiert? Wer liefert Fakten? Wer entscheidet über den Ton? Wer darf fachlich korrigieren? Wer gibt final frei? Und an welcher Stelle endet die Abstimmung?

Ohne klare Rollen wird aus dem Magazin schnell ein Gemeinschaftstext. Viele Beteiligte hinterlassen ihre Formulierungen, ihre Absicherungen und ihre Lieblingsbegriffe. Am Ende klingt der Beitrag nach niemandem – und leider auch nach keiner lesbaren Redaktion.

Ein belastbarer Produktionsablauf

Ein sinnvoller Ablauf kann in fünf Phasen organisiert werden:

1. Strategische Klärung

Zielgruppe, Kommunikationsziel, Datenbasis, Budget, Format und geplante Ausspielwege werden festgelegt.

2. Redaktionelle Konzeption

Die Redaktion entwickelt Themen, Formate, Dramaturgien und einen realistischen Produktionskalender. Zu diesem Zeitpunkt müssen auch mögliche Gesprächspartner und Materialquellen bekannt sein.

3. Recherche und Textarbeit

Interviews, Dokumente, Bildmaterial und Fachinformationen werden gesammelt. Texte entstehen nicht aus Pressemitteilungen allein, sondern aus überprüfbaren Vorgängen und konkreten Stimmen.

4. Gestaltung und Abstimmung

Editorial Design und Text werden gemeinsam entwickelt. Der Text steht nicht zwangsläufig vollständig vor dem Layout. Diese starre Reihenfolge führt häufig zu unnötigen Korrekturen und nimmt der visuellen Gestaltung den nötigen Spielraum.

5. Korrektur, Freigabe und Produktion

Fachliche Prüfung, Schlussredaktion, Druckdatenkontrolle und digitale Aufbereitung folgen in klar definierten Schritten.

Der entscheidende Punkt liegt zwischen Phase drei und vier. Redaktion und Gestaltung sollten sich nicht erst begegnen, wenn der Text fertig und die Seite schon leer ist. Umfang, Bildidee, Zwischenüberschriften und Seitendramaturgie gehören zusammen. Ein Editorial Design, das erst nachträglich über den Inhalt gestülpt wird, bleibt meist Dekoration.

Fachprüfung ist nicht Stilredaktion

Unternehmen brauchen fachliche Kontrolle. Falsche Produktdaten, missverständliche technische Angaben oder unzulässige Aussagen gehören nicht in ein Kundenmagazin. Aber die Fachabteilung sollte nicht automatisch den gesamten Text stilistisch übernehmen.

Die Redaktion prüft Verständlichkeit, Rhythmus, Schwerpunkt und journalistische Glaubwürdigkeit. Die Fachseite prüft Sachverhalte. Beide Aufgaben sind verschieden. Werden sie vermischt, entstehen Texte, die zwar intern abgesichert, extern aber schwer lesbar sind.

Auch Zitate brauchen Disziplin. Gesprächspartner dürfen nicht zu Sprachpuppen werden, die exakt die Unternehmensbotschaft wiederholen. Eine glaubwürdige Aussage hat eine eigene Bewegung, manchmal eine Einschränkung, gelegentlich einen kleinen Widerstand. Sie darf nur nicht erfunden werden. Präzise redaktionelle Arbeit beginnt dort, wo man nicht aus einer Presseformulierung einen vermeintlich authentischen O-Ton bastelt.

6. Das Heft als System: Markenkommunikation ohne Markenlärm

Ein Kundenmagazin gehört zur Markenkommunikation, aber es sollte nicht in jeder Zeile nach Markenkommunikation klingen. Die Marke zeigt sich in der Auswahl der Themen, in der Haltung, in der Genauigkeit und in der Art, wie über Kunden, Mitarbeitende und gesellschaftliche Entwicklungen gesprochen wird.

Das Logo erledigt diesen Job nicht allein.

Eine konsistente Publikation braucht deshalb redaktionelle Leitplanken:

  • Welche Themen passen zur Marke, ohne von ihr vereinnahmt zu werden?
  • Welche Begriffe verwendet die Redaktion regelmäßig, welche vermeidet sie?
  • Wie direkt darf ein Beitrag über Produkte sprechen?
  • Welche Bildwelten passen zur tatsächlichen Arbeitswelt?
  • Wie werden kontroverse oder komplizierte Themen eingeordnet?
  • Welche Aussagen müssen juristisch oder fachlich geprüft werden?
  • Wie viel Raum erhält die Unternehmensleitung im Verhältnis zu Kunden, Experten und Mitarbeitenden?

Besonders im Firmenporträt zeigt sich, ob ein Unternehmen seine Kommunikation beherrscht. Ein Porträt kann Haltung zeigen, ohne zur Selbstdarstellung zu werden. Es kann die Geschichte eines Standorts erzählen, ohne in Chronologie zu erstarren. Es kann einen Geschäftsführer zu Wort kommen lassen, ohne das gesamte Heft an seine Perspektive zu übergeben.

Das ist eine Frage der Gewichtung. Und Gewichtung ist redaktionelle Arbeit.

Was vor dem Start feststehen sollte

Bevor die erste Recherche beginnt, sollten die zentralen Entscheidungen schriftlich vorliegen:

  • Zielgruppen und ihre unterschiedlichen Informationsbedürfnisse,
  • primäres und sekundäres Kommunikationsziel,
  • geplanter Themenmix,
  • Erscheinungsweise und Umfang,
  • Print-, Digital- und Verteilungswege,
  • Format, Bindung und technische Druckvorgaben,
  • Budgetrahmen und Verantwortlichkeiten,
  • Redaktionskalender mit realistischen Abgabeterminen,
  • Freigabeprozess inklusive fachlicher und rechtlicher Prüfung,
  • Kriterien für die spätere Auswertung.

Das ist keine Bürokratie um ihrer selbst willen. Es ist die kleine Infrastruktur, die verhindert, dass sich ein ambitioniertes Magazin im Tagesgeschäft verliert.

Fazit: Eine Checkliste ist nur so gut wie ihre Reihenfolge

Das Kundenmagazin-Konzept beginnt nicht mit dem Inhalt und endet nicht mit dem Druck. Es ist eine Kette von Entscheidungen: Wer liest? Was soll sich verändern? Welche Geschichte verdient Raum? Wie wird sie recherchiert? Welche technische Form trägt sie? Und wer entscheidet, wenn fünf Abteilungen fünf verschiedene Fassungen bevorzugen?

Die beste Vorbereitung besteht deshalb nicht darin, möglichst viele Rubriken zu sammeln. Sie besteht darin, die Reihenfolge sauber zu halten. Erst Zielgruppe und Zweck, dann Themen und Formate, danach Budget, Gestaltung und Produktion. Nicht umgekehrt.

Ein Kundenmagazin darf nach Unternehmen aussehen. Es sollte aber nicht nach dessen interner Ablage klingen. Wer journalistischen Mehrwert ernst nimmt, gibt den Lesern keine verlängerte Werbebotschaft, sondern Orientierung, Einblick und brauchbare Gedanken. Das ist aufwendiger als eine Produktseite. Eben deshalb bleibt es länger im Kopf.

Häufige Fragen

Wie entwickelt man ein Kundenmagazin-Konzept?
Zuerst werden Zielgruppe, Kommunikationsziel, Datenbasis, Budget, Format und Ausspielwege festgelegt. Danach folgen Themenplanung, Recherche, Gestaltung, fachliche Prüfung, Freigabe und Produktion.
Welche Inhalte gehören in ein Kundenmagazin?
Ein sinnvoller Themenmix kann ein Titelthema, ein Firmenporträt, ein Fallbeispiel, einen Servicebeitrag, Mitarbeiterporträts und den Blick auf Branchenentwicklungen oder gesellschaftliche Veränderungen umfassen.
Wie oft sollte ein Kundenmagazin erscheinen?
Eine allgemein gültige ideale Erscheinungsfrequenz gibt es nicht. Je nach Branche, Themenangebot, internen Abläufen und Budget kann eine Ausgabe jährlich bis quartalsweise sinnvoll sein.
Was kostet die Produktion eines Kundenmagazins?
Pauschale Gesamtkosten lassen sich seriös nicht nennen, weil unter anderem Druckauflage, Seitenzahl, Papier, Farbigkeit, Bindung, Fotoproduktion, Übersetzungen, Versand und Verteilungsart den Aufwand verändern.
Was ist bei der digitalen Ausgabe eines Kundenmagazins zu beachten?
Ein E-Magazin sollte nicht einfach als PDF nachgereicht werden, sondern klare Klickwege, lesbare Textgrößen und sinnvolle Verlinkungen bieten. QR-Codes, weiterführende Beiträge, Videos, Formulare oder Audiobeiträge können Inhalte ergänzen.