Warum fast eine Million Berliner bei der Wahl keine Stimme haben
Wie die Deutsche Welle berichtet, wählt Berlin am 20. September ein neues Landesparlament. Für viele, die hier leben, arbeiten oder Deutsch lernen, wirft dieser Termin eine ganz praktische Frage auf: Darf ich eigentlich wählen?

Rund 976.000 Erwachsene ohne deutschen Pass sind in der Hauptstadt vom Wahlrecht ausgeschlossen – ein Viertel der gesamten Stadtbevölkerung.
Wahlrecht in Berlin – Schritt für Schritt durch die Regeln
Die Berliner Wahlregeln stecken voller Feinheiten, die im Alltag leicht übersehen werden. Schauen wir sie gemeinsam an:
Deutsche Staatsangehörige dürfen ab 16 Jahren wählen, sofern sie seit mindestens drei Monaten in Berlin gemeldet sind. Erstmals in diesem Jahr sind auch Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren bei der Abgeordnetenhauswahl stimmberechtigt, berichtet The Local Germany.
EU-Bürgerinnen und -Bürger ab 16 Jahren können nicht das Landesparlament wählen, aber an den Bezirksverordnetenversammlungen, kurz BVV, teilnehmen. Diese Gremien entscheiden über die Angelegenheiten der einzelnen Stadtbezirke – ihre politische Reichweite bleibt allerdings begrenzt.
Für alle übrigen ausländischen Erwachsenen in Berlin endet das Wahlrecht hier. Sie mieten, arbeiten und zahlen Steuern – haben aber keine Stimme auf Landes- oder Bezirksebene.
Was hat das mit deinem Deutschlernen zu tun?
Mehr, als du auf den ersten Blick denkst. Wahlkampfzeiten wirken sich direkt auf Themen aus, die dich als Lernende betreffen: Integrationskurse, Sprachförderung und soziale Unterstützung. Im DW-Bericht kommt genau das zur Sprache: Ein ägyptischer Softwareentwickler, der seit sieben Jahren in Berlin lebt, beschreibt, dass ihn Kürzungen bei Gesundheitsversorgung und Deutschkursen unmittelbar treffen – während er als Nicht-EU-Bürger nicht wählen darf.
Wenn du also in Berlin einen Sprachkurs besuchst oder einen suchst, lohnt sich der Blick auf die Wahlprogramme. Sie zeigen dir, welche Prioritäten die Parteien in der Sprach- und Integrationspolitik setzen – und wohin sich die Stadt in den nächsten Jahren entwickeln könnte.
Wahlzeit als Sprachschule im Alltag
Auch ohne eigenes Stimmrecht kannst du die Wahlwoche als Lerngelegenheit nutzen. Wahlplakate, Zeitungsartikel, Podcasts zur Wahl – das alles ist Deutsch im echten Leben. Lies die Programme einiger Parteien, hör eine Debatte auf Deutsch oder schau die Nachrichten. So baust du politisches Vokabular auf und verstehst gleichzeitig, wie Berlin tickt.
Ein Detail am Rand: Im Bezirk Mitte hat die grüne Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger für die rund 135.000 nicht-deutschen Erwachsenen im Bezirk eine symbolische Wahl organisiert. Über 15 Stationen konnten Anfang September Stimmen abgegeben werden, um auf das Thema Wahlrecht aufmerksam zu machen.
Was bleibt zum Mitnehmen? Wahlrecht ist nicht nur eine politische Frage, sondern auch eine sehr alltägliche. Wer in Berlin lebt und Deutsch lernt, ist Teil des städtischen Lebens – mit oder ohne Stimmrecht. Und wer die politische Landschaft versteht, trifft auch im Alltag bessere Entscheidungen.